Feuerwehr Rotenburg stellt sich neuen Herausforderungen
Verbandsversammlung in Jeersdorf: Modernisierung, Frauenförderung und Ehrungen im Fokus
Am Sonntagmorgen versammelten sich in Jeersdorf – Teil der Gemeinde Scheeßel – 173 Delegierte des Kreisfeuerwehrverbandes Rotenburg e.V. zur traditionellen Verbandsversammlung. Zu den Gästen zählten führende Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und Feuerwehr, darunter Bürgermeisterin Ulrike Jungemann, Bundestagsabgeordnete Vivian Tauschwitz und Landtagsabgeordneter Eike Holsten. Die Veranstaltung stand im Zeichen aktueller Herausforderungen, personeller Stabilität und würdigte zahlreiche ehrenamtliche Verdienste.
Fokus auf die Freiwilligkeit: Belastung und Bedeutung der Wehr
Verbandsvorsitzender Jürgen Runge griff das Jahresmotto auf: „Feuerwehr wichtiger denn je – deine Feuerwehr“. In seinem Bericht stellte er klar, dass ehrenamtliches Engagement die Grundlage des Feuerwehrwesens in der Region darstellt: „Was wäre, wenn da keiner wäre? Wer löscht Brände, räumt umgestürzte Bäume oder schneidet eingeklemmte Personen aus ihren Fahrzeugen? Eine Berufsfeuerwehr wäre für viele Gemeinden nicht bezahlbar. Diese Aufgaben erledigen wir alle ehrenamtlich.“
Runge wies jedoch auf die zunehmende Belastung der Einsatzkräfte hin: „Die Aufgaben werden mehr, die Selbsthilfe in den Dörfern weniger. Das ist die größte Bedrohungslage für den Katastrophenschutz.“ Die sichere Einsatzplanung und der Schutz der eigenen Mannschaften vor Überlastung stehen daher im Mittelpunkt.
Modernisierung: Uniformen und gesetzliche Neuerungen
Thema waren neue, modernisierte Uniformen samt Dienstgradabzeichen. Runge kritisierte die knappen Fristen für die Umstellung und plädierte für eine schrittweise Einführung ab April 2026. Positiv bewertet wurde die gesetzliche Freistellung für Kinder- und Jugendbetreuer, finanziert durch erhebliche Landesmittel. Bedenken äußerte Runge hingegen zur geplanten Feuerschutzsteuer, deren künftige Verwendung auf Landesebene Kommunen finanziell belasten könnte.
Mitgliederzahlen, Infrastruktur und Engagement
Trotz wachsender Anforderungen vermeldete der Verband stabile Mitgliederzahlen im Jahr 2024. Eine außergewöhnliche Wetterlage blieb aus. Die aktuellen Zahlen im Überblick:
Ein Problemfeld bleibt jedoch die unzureichende Infrastruktur.
Situation der Frauen in der Feuerwehr
Landesfrauenbeauftragte Sabine Schrö berichtete von einem positiven Trend: „Immer mehr Frauen engagieren sich in den Feuerwehren. Das ist nichts Besonderes mehr – wir wollen einfach dabei sein.“ Herausforderungen gibt es beim Ausbau getrennter Umkleiden sowie bei Atemschutzausbildungen, da Lehrgangsplätze knapp sind. Ein neuer Schnupperkurs für Atemschutzgeräteträger und landesweite Workshops sollen hier Abhilfe schaffen.
Seit 2025 bietet der Feuerwehrverband Niedersachsen zudem eine Anlaufstelle für sexuelle Belästigung. Bereits fünf Fälle wurden dort gemeldet.
Ehrungen und Vorstandswahlen
Im Rahmen der Versammlung wurde der Vorstand neu gewählt: Jürgen Runge bleibt für weitere sechs Jahre Vorsitzender, Dieter Apel (stellvertretender Vorsitzender) und Opitz (Kassenwart) wurden bestätigt.
Für ihr Engagement wurden zahlreiche Mitglieder geehrt. Das Goldene Ehrenzeichen erhielten Klaus Intelmann und Torsten Reinsch, die zudem zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Weitere Auszeichnungen gingen an:
Impulse aus Politik und Feuerwehr
Vivian Tauschwitz (MdB) hob in ihrem Grußwort die gesellschaftliche Bedeutung des Feuerwehrdienstes hervor. Eike Holsten (MdL) bedankte sich ausdrücklich bei den anwesenden Kameradinnen und Kameraden und wies auf die Herausforderung hin, dass 21 Dozenten an der Niedersächsischen Akademie für Brand- und Katastrophenschutz (NLBK) fehlen.
Kreisjugendfeuerwehrwart Oliver Austel berichtete vom erfolgreichen Kreiszeltlager in Sittensen, bei dem der Zusammenhalt im Mittelpunkt stand. Robert Rabe informierte über Änderungen der Feuerwehrverordnung und die Einhaltung verbindlicher Qualifikationsfristen: „Drei Jahre nach Eintritt muss QS2 abgeschlossen sein.“ Kreisbrandmeister Peter Dettmer betonte die Bedeutung der Leistungsprüfungen für die tägliche Einsatzqualität.
Abschließend bezeichnete Björn Becker den gesellschaftlichen Bedarf nach Feuerwehr als dringender denn je.
Ausblick und Zusammenhalt
Die jährliche Verbandsversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Rotenburg e.V. verdeutlicht, vor welchen Herausforderungen und Chancen das Ehrenamt Feuerwehr steht: Mit stabilen Mitgliederzahlen, neuen Konzepten für Ausbildung und Integration sowie Wertschätzung ehrenamtlicher Arbeit bleibt die Feuerwehr ein stabiler Pfeiler der öffentlichen Daseinsvorsorge in der Region.
Weitere Informationen zur Veranstaltunghttps://www.presseportal.de/blaulicht/pm/134804/6103105
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