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20-Zentner-Bombe in Hameln bestätigt

Evakuierung am 26. April geplant: Rund 6.000 Menschen sind im 1,5-Kilometer-Radius betroffen, die Entschärfung gilt als kompliziert.

Von Redaktion Hameln
20-Zentner-Bombe in Hameln bestätigt
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In Hameln hat sich der Verdacht auf eine Weltkriegsbombe unter dem BHW-Parkplatz bestätigt. Nach Angaben aus der Pressemitteilung handelt es sich nicht um eine 10-, sondern um eine 20-Zentner-Bombe. Die Folge ist eine deutlich ausgeweitete Evakuierung: Am Sonntag, 26. April, müssen Bewohnerinnen und Bewohner im Radius von 1,5 Kilometern ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Nach aktuellem Stand sollen rund 6.000 Menschen betroffen sein.

Bestätigung am Mittwochmorgen

Der Verdacht bestätigte sich am Mittwochmorgen um 8.34 Uhr. Nach Angaben der Stadt liegt auf dem BHW-Parkplatz eine Weltkriegsbombe, die unschädlich gemacht werden muss. Bereits zuvor war von einer Evakuierung im Radius von einem Kilometer ausgegangen worden. Nun muss der Sperrbereich erweitert werden, weil sich die Einschätzung zur Größe des Sprengkörpers verändert hat.

Ursprünglich war mit einer Bombe von insgesamt 500 Kilo und rund 200 Kilo Sprengstoff gerechnet worden. Die nun vorliegenden Erkenntnisse deuten jedoch auf einen deutlich größeren Sprengkörper hin. Als Grundlage dafür dient unter anderem die Leitwerkgröße, die nach Einschätzung des Fachmanns zu einer amerikanischen 20-Zentner-Bombe passt.

Fundstelle und bisherige Erkenntnisse

Der erste Verdacht war im Zuge von Bauarbeiten für eine Photovoltaikanlage aufgekommen. Auslöser waren routinemäßig ausgewertete historische Luftbilder. Die Aufnahmen aus dem Zweiten Weltkrieg und der Zeit kurz danach zeigen, dass das heutige Firmengelände und die Bahnstrecke während des Krieges stark bombardiert wurden.

Auf den Bildern sind zahlreiche Krater zu sehen, an manchen Stellen auch Einschläge. Zunächst ließ sich jedoch nicht eindeutig feststellen, ob tatsächlich eine Fliegerbombe niedergegangen war. Deshalb wurde die Stelle genau untersucht.

Arbeiten in der Tiefe

Am 12. März wurde der Verdachtspunkt zunächst vorbereitet. Eine Fachfirma sicherte ihn mit Spundwänden und sogenannten Gurtungen, also Stahlträgern, die dem Druck der umliegenden Erde standhalten. Danach wurde die Baugrube ausgebaggert, rund neun Meter tief. Anschließend arbeiteten sich die Kampfmittel-Experten Zentimeter für Zentimeter mit Spitzhacken weiter vor, bis sie auf Bombenteile stießen.

Eine abschließende Untersuchung mit einer Stechsonde gab dann Aufschluss über die Lage des Sprengkörpers. Nach Angaben des Experten ist ein Teil des Sprengstoffes ausgetreten, vermutlich beim Aufprall. Die Bombe sei zerschellt und ins Erdreich eingedrungen, aber nicht explodiert. Dennoch verblieben nach seiner Einschätzung noch immer 450 Kilogramm Sprengstoff.

Entschärfung unter schwierigen Bedingungen

Der Zünder ist zerstört und steckt zudem tief im felsigen Boden. Das macht die Entschärfung nach Angaben der Einsatzkräfte kompliziert. Das Team will dennoch alles Menschenmögliche tun, um an den Zünder zu kommen. Dabei soll auch ein Wasserschneidegerät mit 700 bar Wasserdruck eingesetzt werden. Im schlimmsten Fall müsse die Bombe kontrolliert gesprengt werden.

Für diesen Fall wurden bereits vorsorglich Maßnahmen getroffen. Ein Schutzwall aus Containern wurde aufgebaut, sechs Etagen hoch. Die Container wurden mit Wasser gefüllt, um bei einer Sprengung die Druckwelle und umherfliegende Splitter abzufangen.

Große Evakuierung in mehreren Stadtteilen

Die Evakuierung betrifft nach aktuellem Stand die Stadtteile Afferde, Rohrsen, Basberg und Hottenbergsfeld. Die Menschen müssen spätestens um 7 Uhr ihre Wohnungen verlassen. Die Stadt spricht von der größten Evakuierung seit Ende des Zweiten Weltkrieges.

Die Vorbereitungen laufen seit Wochen. In den kommenden Tagen sollen alle Haushalte im Umkreis von 1.500 Metern um die Fundstelle über die konkreten Handlungsanweisungen informiert werden. Wann die Rückkehr möglich ist, hängt davon ab, wie schnell die Arbeiten vor Ort voranschreiten. Betroffene sollten vorsichtshalber davon ausgehen, dass sie möglicherweise erst im Laufe des Tages oder sogar erst in den Abendstunden zurückkehren können.

Verkehr, Einsatzkräfte und Sperrungen

Für den Einsatz werden zahlreiche Kräfte mobilisiert. Im Einsatz sind Hundertschaften von Landes- und Bundespolizei, Feuerwehr, THW und DRK. Auch der Verkehr wird massiv eingeschränkt: Beide Bundesstraßen im Stadtgebiet, darunter die B 217, werden voll gesperrt. Zudem werden die Zugstrecken Hannover-Paderborn und Hildesheim-Löhne unterbrochen.

Der öffentliche Personennahverkehr passt seine Fahrpläne an und bietet einen kostenlosen Shuttle-Service aus dem Evakuierungsgebiet in Richtung Rattenfängerhalle und Rüdiger-Butte-Schule an. Auch der Luftraum über dem Sperrgebiet bleibt gesperrt.

Informationen für die Bevölkerung

In den kommenden Tagen will die Stadt weitere Informationen zum genauen Ablauf der Evakuierung am 26. April sowie zu den beiden Notunterkünften, den gesperrten Straßen und den Einschränkungen im Bus- und Bahnverkehr veröffentlichen. Aktuelle Informationen rund um die Blindgänger-Entschärfung an der Springer Landstraße sowie Antworten auf wichtige Fragen stellt die Stadtverwaltung auf ihren Accounts bei Facebook und Instagram bereit.

Zusätzlich hat die Stadt ein Bürgertelefon eingerichtet. Es ist ab Donnerstag, 16. April, montags bis donnerstags von 9 bis 15 Uhr sowie freitags von 9 bis 13 Uhr unter der Telefonnummer 0800/426 356 5 erreichbar.

Die Lage zeigt, wie aufwendig und sensibel die Arbeiten an einem solchen Fundort sind. Für die Stadt und die betroffenen Menschen steht nun ein Tag bevor, der mit erheblichen Einschränkungen verbunden ist. Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen darauf, die Entschärfung möglichst sicher und kontrolliert durchzuführen.

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