Erstmals Nachfahren der Familie Joseph in Lingen
Heidi Joseph und David Saltzman besuchen Erinnerungsorte ihrer von den Nationalsozialisten verfolgten Familie und werden im Rathaus empfangen

Ein Besuch mit starker historischer und persönlicher Bedeutung hat im Historischen Rathaus von Lingen stattgefunden: Nachfahren der von den Nationalsozialisten verfolgten Familie Joseph sind erstmals in die Stadt gereist. Heidi Joseph und ihr Ehemann David Saltzman aus den USA besuchten zentrale Orte der Erinnerung und machten die Familiengeschichte auf unmittelbare Weise sichtbar.
Empfang im Historischen Rathaus
Am Dienstag wurden die Gäste von Lingens Erstem Bürgermeister Stefan Heskamp offiziell empfangen. In seiner Ansprache hob Heskamp die besondere Bedeutung dieses Moments hervor und verwies darauf, dass die Familie Joseph eng mit der Stadt verbunden sei. Ihre Geschichte sei Teil der Lingener Stadtgeschichte, geprägt von Aufbau und Gemeinschaft, aber auch von Verfolgung, Deportation und Ermordung während der Zeit des Nationalsozialismus.
Der Empfang stand damit nicht nur für eine formale Begrüßung, sondern auch für die Sichtbarkeit einer Erinnerung, die in Lingen bewusst gepflegt wird. Die Begegnung im Rathaus wurde als Ausdruck dieser Verantwortung verstanden.
Persönliche Eindrücke der Gäste
Heidi Joseph beschrieb den Besuch als sehr bewegend. Für sie seien es nicht nur Orte, sondern vor allem Menschen gewesen, denen sie in Lingen begegnet sei. Besonders beeindruckt zeigte sie sich von der herzlichen Aufnahme. Die Offenheit und das Willkommenwerden in der Stadt habe sie positiv überrascht und tief berührt.
Auch die gelebte Erinnerungskultur hinterließ einen bleibenden Eindruck. Heidi Joseph bedankte sich ausdrücklich beim Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V., das den Besuch organisiert hatte. Sie würdigte die Arbeit des Vereins als wertvoll und lebensverändernd und äußerte die Hoffnung, dass dieses Engagement weitergetragen werde.
Erinnerungsorte mit familiärem Bezug
Während ihres Aufenthalts besuchten Heidi Joseph und David Saltzman mehrere zentrale Orte der Erinnerung in Lingen. Auf dem Programm standen unter anderem:
Eine besondere familiäre Verbindung zu Lingen besteht auch über Henriette Flatow, die Cousine von Josephs Großvater. An ihr Schicksal erinnern heute ein Stolperstein sowie eine nach ihr benannte Straße im Stadtgebiet.
Stationen des Erinnerns
Die besuchten Orte zeigten die historische Tiefe der Familiengeschichte und die Verbindung zwischen persönlichem Schicksal und städtischem Erinnern. Gerade diese Verbindung machte den Aufenthalt für die Gäste sichtbar zu einem Besuch mit besonderem Gewicht.
Begleitung und Einordnung
Begleitet wurden Heidi Joseph und David Saltzman von Simon Göhler, dem Vorsitzenden des Forums Juden-Christen, seinem Stellvertreter Dr. Walter Höltermann sowie dem Mitglied Claudia Meinert. Göhler würdigte den Besuch als besonderes Zeichen des Vertrauens und als große Ehre für die Stadt. Der Empfang im Historischen Rathaus unterstreiche Lingens Verantwortung für seine Geschichte und die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur.
Diese Einordnung verband den persönlichen Besuch mit einer öffentlichen Botschaft: Erinnerung sei nicht nur rückblickend wichtig, sondern auch ein aktiver Teil städtischer Gegenwart.
Weiterreise mit schwerem Ziel
Nach ihrem Aufenthalt in Lingen reisen Heidi Joseph und David Saltzman weiter nach Berlin und anschließend nach Krakau. Dort ist auch ein Besuch der Gedenkstätte Auschwitz geplant. Heidi Joseph machte deutlich, dass dieser Teil der Reise schwer werde, betonte aber zugleich die Bedeutung des Weges. Es sei wichtig, ihn zu gehen, und sie wisse, dass sie dort nicht allein seien.
Der Satz verweist auf die emotionale Belastung solcher Erinnerungsorte ebenso wie auf den Halt, den gemeinsame Begegnungen geben können.
Dank und Zeichen des Erinnerns
Ein besonderer Dank galt Herbert Joseph, dem Vater von Heidi Joseph, der maßgeblich zur Errichtung eines Gedenksteins für jüdische Familien in Lingen beigetragen hat. Als Zeichen des Erinnerns erhielten die Gäste im Historischen Rathaus das Buch „Lingen im Nationalsozialismus“ sowie ein Tonmodell des Historischen Rathauses.
Am Ende stand die gemeinsame Einschätzung, dass persönliche Begegnungen für eine lebendige Erinnerungskultur von zentraler Bedeutung sind. Der Besuch habe eindrücklich gezeigt, wie sich Brücken zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen lassen.
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