8.500 Menschen müssen raus
Wegen einer Blindgänger-Entschärfung in Hameln wird die Rattenfängerhalle zur Sammelunterkunft mit Betreuung, Verpflegung und Shuttlebus
Am Sonntag, 26. April, steht Hameln vor einer umfangreichen Evakuierung: Rund 8.500 Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen, damit an der Springer Landstraße ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden kann. Für Betroffene, die nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen können, wird die Rattenfängerhalle zur Sammelunterkunft.
Sammelunterkunft als organisierter Zufluchtsort
Die Halle wird an diesem Tag nicht für kulturelle Veranstaltungen genutzt, sondern als sicherer Aufenthaltsort für Menschen aus dem Evakuierungsgebiet. Nach Angaben der Stadt ist die Rattenfängerhalle auf jene ausgelegt, die während der Entschärfung keine andere Unterkunft haben. Die Organisation läuft seit mehreren Wochen im Hintergrund und wird von mehr als 350 Ehrenamtlichen des Deutschen Roten Kreuzes getragen.
Die Sammelunterkunft ist Teil eines größeren Einsatzes, der als größte Evakuierung der Nachkriegszeit beschrieben wird. Betroffen sind Menschen aus einem 1.500-Meter-Radius um den Fundort des Blindgängers. Sie müssen für einige Stunden ihre Häuser und Wohnungen verlassen.
Struktur in der Halle: Registrierung, Verpflegung und Ruhebereiche
Wer in der Rattenfängerhalle ankommt, wird am Eingang begrüßt und zentral registriert. Das soll der Übersicht und der Planung dienen. Im Anschluss erhalten die Besucherinnen und Besucher Essensmarken für den weiteren Aufenthalt.
Für die Verpflegung ist gesorgt: Die Stadt und das DRK stellen eine ordentliche Mahlzeit, Getränke und kleine Snacks bereit. Zudem ist die Halle in verschiedene Bereiche gegliedert, damit sich die Menschen während des Einsatzes möglichst gut orientieren und zurückziehen können.
Besondere Bereiche für Familien und pflegebedürftige Menschen
Für pflegebedürftige Menschen wird im Spiegelsaal ein eigener Bereich mit entsprechenden Betten eingerichtet. Die Betreuung übernimmt geschultes DRK-Personal.
Familien mit Kindern finden in einem Nebenraum einen Indoor-Spielbereich. Je nach Wetterlage wird hinter der Halle zusätzlich ein Outdoor-Spielbereich aufgebaut. Außerdem gibt es einen geschützten Still- und Wickelbereich.
Auch Haustiere können mitgebracht werden
Die Sammelunterkunft ist auch auf Haustiere eingestellt. Sie dürfen in Transportboxen in die Halle gebracht werden; Ausnahmen für große Hunde können vor Ort besprochen werden. Tiere und Halterinnen und Halter erhalten einen eigenen Bereich.
Die Stadt weist allerdings darauf hin, dass für Tiere, die mit Artgenossen nicht umgänglich sind, kein gesonderter Raum zur Verfügung steht. Für die Verpflegung der Tiere sind die Halterinnen und Halter selbst zuständig.
Polizei und Stadtverwaltung vor Ort ansprechbar
Für Fragen rund um Sicherheit und Ablauf stehen am Evakuierungstag auch Polizeibeamte in der Halle bereit. Sie unterstützen bei Rückfragen, vermitteln bei Unsicherheiten und sind während des gesamten Einsatzes ansprechbar.
Oberbürgermeister Claudio Griese würdigt das Zusammenspiel der vielen Beteiligten. Er spricht von Manpower, Herzblut und ehrenamtlichem Engagement, durch das in kürzester Zeit eine komplette Infrastruktur entsteht. Sein Dank gilt dem Deutschen Roten Kreuz sowie den anderen Organisationen, die an dem Einsatz mitwirken.
Auch an die betroffenen Hamelnerinnen und Hamelner richtet Griese seinen Dank. Ihr ruhiges und verständnisvolles Verhalten trage zum Gelingen dieses großen Einsatzes bei und zeige, wie verlässlich die Stadtgemeinschaft zusammenstehe.
Rückkehr erst nach Abschluss der Entschärfung
Wann die Menschen am 26. April in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren können, steht noch nicht fest. Die Dauer der Evakuierung hängt davon ab, wie schnell die Entschärfung des Blindgängers gelingt.
Sollte sich der Einsatz bis in die Nachtstunden ziehen, ist ein Ausweichplan vorbereitet. In diesem Fall wird die nahegelegene Rüdiger-Butte-Schule als Nachtlager hergerichtet. Dort stehen auch Hygieneartikel und weitere notwendige Ausstattung bereit, um eine sichere und möglichst ruhige Übernachtung zu ermöglichen.
Anreise und Organisation rund um die Rattenfängerhalle
Die Rattenfängerhalle befindet sich in der Mühlenstraße 17. Wer mit dem Auto anreist, kann entweder in der Tiefgarage parken oder den nahegelegenen Parkplatz an der Weser nutzen. Für die Tiefgarage werden kostenfreie Ausfahrtickets gestellt. Fahrradstellplätze stehen im Außenbereich zur Verfügung.
Aus dem Evakuierungsgebiet fährt ein Shuttleservice die Halle in regelmäßigen Abständen an. Die Abfahrtszeiten und Haltestellen sind unter www.oeffis.de veröffentlicht.
Damit wird die Halle an diesem Tag zu einem Ort, an dem Organisation, Versorgung und Betreuung ineinandergreifen. Aus einer Sport- und Veranstaltungsstätte wird für mehrere Stunden ein funktionierender Zufluchtsort für Menschen, die von der Evakuierung betroffen sind.
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